Jean Dubuffet
Graphiken und illustrierte Bücher

Jean Dubuffet (1901 - 1985) ist einer der wichtigsten Impulsgeber in der Kunst nach 1945. Sein Interesse an Graffities und Schmierereien auf Hauswänden und seine Faszination für die „Bildnerei der Geisteskranken“ führte ihn zur Beschäftigung mit der Art Brut (frz. = rohe Kunst), die von künstlerisch ungebildeten Menschen gemacht wird. Dubuffet schätzte an ihr den kruden Ausdruck und eine Form unmittelbarer Kreativität, die er in der professionellen „Hochkunst“ vergeblich suchte.
Dieses revolutionäre und kreative Potential der Art Brut machte er sich zu Nutze, um selbst Werke zu schaffen, die radikal mit allen überkommenen Vorstellungen von Schönheit und gekonnt gemachter Malerei brachen. Der avantgardistischen Hochkunst eröffnete er so nach 1945 völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten und beeinflusste damit zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, darunter auch Künstlergruppen wie CoBrA in Copenhagen, Brüssel und Amsterdam oder die Gruppe SPUR in München. Besonders intensiv beschäftigte er sich mit dem Künstlerbuch, das in Frankreich über eine lange Tradition verfügt und bis heute hohes Ansehen genießt. Mit 39 Büchern in vier Jahrzehnten schuf er durchschnittlich fast jedes Jahr ein neues Künstlerbuch, das häufig in eigener Handschrift geschrieben und mit zahlreichen Illustrationen versehen war. Schon Titel wie La Métromanie, Ler dla canpane (Landluft) oder La fleur de barbe (Bartblume) deuten an, wie Dubuffet mit seinen – inhaltlich wie materiell – häufig rohen und wilden Büchern die ehrwürdige Tradition des französischen Künstlerbuches erschütterte und sie damit zugleich um ein neues und originelles Kapitel bereicherte.
Dubuffets Künstlerbücher, die bisher selten komplett gezeigt wurden, stehen im Zentrum der Ausstellung, die durch Graphiken und Plakate ergänzt wird. Die in ihrem Kern vom Literaturhaus München erarbeitete Ausstellung bietet außerdem einen umfangreichen Audioguide mit Auszügen aus Reden und Schriften des Künstlers, darunter viele Texte, die erstmals ins Deutsche übersetzt wurden.

 

 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016