George Grosz
Misanthrop, Klassenkämpfer, Moralist

Vom 19. September bis 13. Dezember 2009 präsentiert das Kunstmuseum Heidenheim über 150 Zeichnungen und Graphiken von George Grosz, der wie kein zweiter Künstler mit seinen satirisch überspitzten Zeichnungen unser Bild von der Weimarer Republik geprägt hat.

1893 in kleinbürgerlichen Verhältnissen geboren, ermöglicht ihm sein Talent ein Kunststudium in Dresden und Berlin. 1914 gehört er zu den wenigen Deutschen, die den Krieg ablehnen. Dennoch wird er eingezogen, jedoch schon wenige Monate später als dienstuntauglich entlassen. In dieser Zeit wandelt sich Grosz vom unpolitischen Künstler zum Misanthropen, der im Wahnsinn des Krieges den allgemein-menschlichen Hang zur Brutalität zu erkennen meint.

Unter dem Eindruck der revolutionären Zustände im Winter 1918/19 wird aus seiner menschenfeindlichen Einstellung klassenkämpferische Parteinahme. Die Morde und Massaker an revolutionären Soldaten und Arbeitern, die den Krieg beenden und bessere Lebensverhältnisse fordern, treiben ihn zu satirischen Bildfindungen, die in ihrer Bissigkeit bis heute unübertroffen sind. Mit spitzem Strich karikiert er alle jene Gesellschaftsgruppen, die aus seiner Sicht für den Krieg mitverantwortlich sind:
Das Militär, das die Aufstände niederschlägt; die SPD, die dies politisch legitimiert; die Kirche, die dem Krieg ihren Segen gibt; die Klassenjustiz und die Kriegsgewinnler - und natürlich all jene Kapitalisten, welche die Arbeiter gnadenlos ausbeuten. So wird Grosz zum bekanntesten Satiriker seiner Zeit.

Als mit der Stabilisierung der Weimarer Republik um 1922 der Traum von der Revolution ausgeträumt ist, wird aus dem bissigen Satiriker ein milder Moralist, der seinen Frieden mit den herrschenden Verhältnissen macht. Nun schildert Grosz das deutsche Alltagsleben zwischen kleinbürgerlicher Behäbigkeit und großbürgerlicher Unmoral.

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten geht auch diese Phase zu Ende. Grosz muss in die USA immigrieren, wo seine letzten politischen Karikaturen gegen die Nationalsozialisten entstehen. In den USA, die er seit seiner Jugendzeit als Sehnsuchtsland empfand, wandelt er sich erneut. Das amerikanischen Alltagsleben schildert er nun unkritisch und er wendet sich gesellschaftsfernen Themen wie Landschaftsbildern und Aktdarstellungen zu.

 


Der Mädchenhändler
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016