Joseph Beuys
Plakate

Joseph Beuys, der Erfinder der „sozialen Plastik“, war an großer öffentlicher Wirkung stets interessiert. Deshalb war ihm auch das Plakat als Werbemedium für seine Ausstellungen, Aktionen und gesellschaftlichen Interventionen wichtig. Dies bedeutete jedoch keineswegs, dass er sich selbst als Plakatgestalter im klassischen Sinne betätigte. Vielmehr beschränkte er sich auf die Rolle des Ideengebers, der die Details der Gestaltung gerne anderen überließ. Ganz im Geiste seiner Idee der sozialen Plastik motivierte er so seine jeweiligen Kooperationspartner ihre Plakate selbst zu gestalten. Wenn die Beuys-Plakate trotz unterschiedlicher Autoren dennoch als Einheit wirken, so liegt dies vor allem an der typischen Beuys´sche Ästhetik, die nahezu alle Plakatgestalter faszinierte und inspirierte.Deren Kennzeichen sind Schwarzweißfotografie, gedämpfte Braun- und Grüntöne und die Wahl verschiedener Typographien.Besonders der Fotografie kommt dabei zentrale Bedeutung zu, denn vornehmlich in diesem Medium ließ Beuys seine Aktionen und Happenings dokumentieren. So schlug er den Plakatgestaltern häufig Fotografien vorangegangener Aktionen als Bildmotive vor, wodurch die Plakate einen lebendigen Eindruck seiner verschiedenen Aktivitäten und Handlungsorte vermitteln. Ebenso häufig zeigen sie den Meister selbst, dessen Outfit mit Filzhut und Fliegerweste regelrecht zu seinem Markenzeichen geworden ist. Diese bildliche Präsenz des Künstlers und seiner Aktionen verleiht den Plakaten bis heute eine Art der Lebendigkeit, die sie signifikant von vielen seiner musealen Werke unterscheidet, die als bloße Relikte seiner Aktivitäten oft rätselhaft und hermetisch wirken.

 


© VG Bild-Kunst, Bonn 2016