Friedrich Kleinheinz
Bildkörper

Seit sich die Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Prinzip der Abbildhaftigkeit des Bildes abgewandt hat, hat sie das Wesen und die Funktion des abstrakten Bildes unterschiedlich bestimmt: Als Komposition aus abstrakten Farben und Formen sollte es auf Metaphysisches verweisen (Kandinsky, Mondrian) oder Erscheinungsformen des Absoluten (Malewitsch) sein; die abstrakten Gesten des europäischen Informel sollten Zeugnis von der Subjektivität und Individualität des Künstlers geben (Wols, Hoehme, Mathieu), während die mechanisch erzeugten Bilder der amerikanischen Farbfeldmalerei das abstrakte Bild als Erscheinungsform des Ganz Anderen oder des Erhabenen (Newman, Pollock) auffasste.
In diesem Zusammenhang rückte auch die materielle Beschaffenheit des Farbträgers, d.h. der Bildfläche in den Blickpunkt. So entwickelte beispielsweise Frank Stella in seinen "shaped canvases" (dt.: geformte Leinwände) die materielle Außenform seiner Bilder aus der seriellen Wiederholung der gemalten Binnenstruktur. Auch andere Künstler wie Elsworth Kelly, Robert Mangold oder Plinky Palermo thematisieren die Materialität des Bildträgers und der Binnenform als wesentliches Wirkungselement des abstrakten Bildes.

Diese Fragestellung beschäftigt auch Friedrich Kleinheinz, der zurückgezogen in der schwäbischen Provinz arbeitet. Der in Zang bei Heidenheim lebende Künstler (geb. 1933) macht den Bildträger als Voraussetzung seiner Farbfeldmalerei dadurch sichtbar, dass er seine Bilder frei schwebend in den Raum hängt. So sind seine großformatigen Bilder stets gleichzeitig als Bild und Objekt wahrnehmbar: Vorne zeigen sie monochrome Farbflächen, hinten wird der mit großem handwerklichem Aufwand hergestellte Bildkörper sichtbar. Dass Kleinheinz für seine Bildträger traditionelle, fast schon vergessene Materialien wie Metall oder Holz wählt und selbst verarbeitet, ist ebenso wenig Zufall wie seine altmeisterlichen Maltechniken. Für den Künstler bilden traditionelle Materialien und handwerkliches Können die unabdingbaren Grundlagen für seine Arbeit, die sich mit aktuellen künstlerischen Fragestellungen auseinandersetzt. So entsteht ein bemerkenswertes künstlerisches Werk, das zugleich aktuell und antiquiert wirkt. Es wird - vor allem in der Gestalt der frei schwebenden, großformatigen Bilder - nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.