Margret Eicher
Sex & Crime
Über die Bildmuster öffentlicher Erregung

Sex & Crime sind die zentralen Inhalte aller gesellschaftlichen Skandale und der mit ihnen verbundenen öffentlichen Erregung, die heute systematisch von den Medien kultiviert wird. Man denke hier nur an die jüngsten Skandale um die vermeintlichen oder mutmaßlichen Verfehlungen eines Dominique Strauss-Kahn oder Christian Wulf.
Die medialen Bildmuster, die mit derartigen öffentlichen Erregungszuständen verbundenen sind, untersucht die Mannheimer Künstlerin Margret Eicher in ihrer Ausstellung Sex & Crime. Dabei beschäftigt sie sich mit der öffentlichen Erregung über die Finanzkrise ebenso, wie mit bewusst skandalisierender Werbefotografie oder der Homophobie religiöser Institutionen. Für ihre Auseinandersetzung mit diesen Bildmustern arbeitet sie mit monumentalen Bildteppichen, wie sie seit dem Mittelalter in höfischen Gesellschaften zur Repräsentation und Bildpropaganda genutzt wurden. Auf diesen Tapisserien stellten Fürstenhäuser ihre Größe und Macht dar und beschworen damit ihren Herrschaftsanspruch. So gesehen kann man die barocken Wandteppiche als die Vorläufer der modernen Bildmedien betrachten, die heute mit ihren inszenierten Bildern vermeintliche oder tatsächliche Skandale anprangern. Durch die Transformation dieser modernen Bilder in die Bildsprache barocker Tapisserien macht die Künstlerin mit viel Sinn für Humor, aber auch mit schneidender Kritik die Stereotypen unserer Medien- und Bilderwelt sichtbar und reflektierbar.

 

     

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016