Niki de Saint Phalle & Jean Tinguely
Plakate

Sie waren ein Künstlerpaar, das – anders als z. B. Christo und Jeanne-Claude – von der Kunstwelt niemals als Paar wahrgenommen werden wollte: Jean Tinguely (1925 – 1991), der kauzige Schweizer und Konstrukteur lärmender Maschinenskulpturen und Niki de Saint Phalle (*1930 – 2002), die polyglotte Adelige und Erfinderin der farbenfrohen Nanas. So unterschiedlich wie ihre Herkunft und ihre Persönlichkeiten waren, so kontrastreich ist auch ihre Kunst. Einerseits die absurden und abstrakt-mechanischen Skulpturen, andererseits die popig-bunten und fröhlichen Frauengestalten. Dementsprechend hat das Paar selten gemeinsam ausgestellt, zusammen haben sie jedoch bedeutende öffentliche Skulpturenprojekte verwirklicht, wie z. B. „La Fontaine de Igor Stravinsky“ vor dem Centre Pompidou in Paris oder den „Tarot-Garten“ in der Toskana. Denn jenseits aller technischen, stilistischen und motivischen Unterschiede gab es auch Gemeinsamkeiten. Hierzu gehört zum einen ihr spielerischer Umgang mit den verwendeten Materialien und Motiven, zum anderen ein grundlegend anarchischer Geist, der sich bürgerlichen Werten wie Vernunft, Ordnung, Wohlanständigkeit und Schönheit konsequent verweigerte. In Zusammenarbeit mit der Versicherungskammer Bayern und dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg präsentiert das Kunstmuseum Heidenheim nun erstmals die Plakatwerke beider Künstler in einer Ausstellung.
Gezeigt werden rund einhundert ihrer besten Plakate aus allen Schaffensphasen. So gewährt die Ausstellung einen Einblick in den jeweils individuellen Stil beider Künstler und zeigt zugleich dessen Entwicklung im Medium des Plakats. So wird sichtbar, wie Jean Tinguely im Laufe der Jahre einen äußerst eigenwilligen Zeichenstil entwickelte, der sich von seinem plastischen Werk zunehmend entfernte; während Niki de Saint Phalles graphisches und plastisches Denken stets eng verzahnt blieben. Neben allen Unterschieden in Form und Motivik offenbart der Vergleich beider Werke dabei aber auch etwas von dem fröhlich anarchischen Geist, der beide Künstler verband und sie zu Exponenten ihrer Zeit machte.
Ergänzt wird die Heidenheimer Ausstellung durch einige Skulpturen von Niki de Saint Phalle, die aus den Beständen der Fischerplatz-Galerie in Ulm stammen.

 




© VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für Tinguely
© Niki Charitable Art Foundation / VG Bild-Kunst,
Bonn 2016 für Niki de Saint Phalle