Unschärferelation

Fotografie als Dimension der Malerei

Abigail O'Brien
Joachim Brohm
Andreas Gursky
Hartmut Neumann
Walter Niedermayr
Simone Nieweg
Jörg Sasse
Heidi Specker
(e.)Twin Gabriel

Seit mehr als zehn Jahren boomt auf dem Kunstmarkt ein Medium, das vor wenigen Jahrzehnten noch nicht als Kunstform anerkannt war: die Fotografie. Dieser Boom umfasst nicht nur die Schwarzweißfotografie, die inzwischen in den Rang einer Kunstgattung der klassischen Moderne aufgestiegen ist, sondern auch die zeitgenössische Fotokunst, die der aktuellen Malerei ihren Rang auf dem Kunstmarkt streitig macht. Eine wesentliche Ursache für den Erfolg der aktuellen Fotokunst scheint dabei jenes Phänomen zu sein, mit dem sich diese Ausstellung befasst: die malerischen Elemente in der Fotografie. Dieses Phänomen kann, wie es Stephan Berg vorschlägt, als "Unschärferelation" oder als Prozess der "Hybridisation" d.h. Vermischung bzw. Kreuzung der Gattungen Malerei und Fotografie verstanden werden, in welcher sich die Künstler der technisch-apparativen Bildherstellungsfunktion der Fotografie bedienen, um sie - vor allem im Zeitalter der elektronischen Bildbearbeitung - ihrer freien Kreativität zu unterwerfen. Dies meint der Untertitel der Ausstellung: "Fotografie als Dimension der Malerei". Angesichts der Tatsache, dass ausschließlich fotografische Werke gezeigt werden, könnte man aber auch von der "Malerei als Dimension der Fotografie" sprechen. Diese Umkehrung verweist auf die grundlegende Frage, die hinter diesem gegenwärtig zu beobachtenden Phänomen steckt: Es ist die Frage nach der Bedeutung beider Medien für die kreative Bildproduktion heute. Gegenwärtig scheint es jedenfalls so, als ob sich viele Künstler vor allem deshalb der Fotografie bedienen, weil deren - durch die Technik des Fotoapparats garantierte - Abbildtreue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, welche das Medium der autonomen Malerei nicht zu bieten vermag. oder anders ausgedrückt: Die Abbildfunktion der Fotografie scheint jene bildnerische Kreativität zu beflügeln, die man im Medium der Malerei gegenwärtig vergeblich sucht.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog