Großer Wechselausstellungssaal
BLOW-UP!
20. Juni – 26. September 2027
Vernissage am 19.6.2027 um 17 Uhr
Der Begriff Blow-Up ist eng mit der Pop Art und ihrer Auseinandersetzung mit den Bildwelten der modernen Konsum- und Mediengesellschaft verbunden. Die künstlerische Vergrößerung alltäglicher Gegenstände, medial verbreiteter Motive und scheinbar banaler Bildinhalte wurde zu einem charakteristischen Verfahren, um Wahrnehmungsgewohnheiten zu hinterfragen und die Grenzen zwischen Kunst, Alltag und visueller Massenkultur neu zu verhandeln. Was zuvor im Kleinen, Beiläufigen oder Übersehenen existierte, trat durch die Vergrößerung in den Vordergrund und beanspruchte Aufmerksamkeit. Das Prinzip des Blow-Ups bezeichnet dabei nicht allein eine Veränderung des Maßstabs, sondern einen Eingriff in die Wahrnehmung: Vergrößerung verschiebt Gewichtungen, verändert Bedeutungen und macht sichtbar, was im gewohnten Sehen verborgen bleibt.
Die Ausstellung BLOW-UP! im Kunstmuseum Heidenheim greift nun dieses historisch gewordene Prinzip auf, versammelt allerdings Werke aktueller Kunstschaffender, um zu danach zu fragen, welche Möglichkeiten das Überdimensionieren heute besitzt. Dieses ist, so die zentrale These der Schau, kein überkommenes Prinzip, sondern eines das sich unter veränderten kulturellen und medialen Bedingungen immer wieder neu bestimmen lässt. Das gerade das Hochskalieren von Objekten in der gegenwärtigen Kunst noch Aktualität besitzt, hat mehrere Gründe.
Die bereits von der Pop Art fokussierte Warenwelt heute mit ihrer unüberschaubaren Produktion von Waren und Bildern hat sich bis heute verschärft. In Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie sind die künstlerischen Wirkungsprinzipien weiterhin aktuell. Die zunehmende Digitalisierung erweckt bei vielen Menschen den Wunsch nach haptischen Erfahrungen, die Kunst mit physisch präsenten Werken ermöglichen kann. Damit zusammen hängt auch das Spiel mit Nostalgie und Kindheitserlebnissen, der sich global mit „Retrowellen“ zeigt und den Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung aufgreifen.
Doch neben dem Freundlichen und bisweilen Humorvollen, das die Vergrößerung bietet, kann es auch politische Botschaften vermitteln, die im großen Format eine stärkere Aussage erhalten.
Das Prinzip des Blow-Ups findet sich in zahlreichen Medien wider. Um eine Fokussierung zu erreichen, wird sich das Kunstmuseum Heidenheim mit seiner Schau vorwiegend plastischen Arbeiten widmen.
Entscheidend ist nicht die bloße Steigerung von Größe, sondern die Frage, welche neue Erfahrung, Erkenntnis oder Irritation durch diese Verschiebung entsteht.
BLOW UP versteht sich damit als eine Ausstellung über die Bedingungen des Sehens und die Macht künstlerischer Setzungen. Was wird sichtbar, wenn wir genauer hinsehen? Was verändert sich, wenn das Kleine groß, das Nebensächliche zentral und das Vertraute fremd wird? Und kann die Vergrößerung in einer Zeit permanenter visueller Überwältigung noch einen Moment konzentrierter Aufmerksamkeit erzeugen?

