Großer Wechselausstellungssaal
DAS MUSS SO!
Neueste aktuelle Malererei
7. März – 31. Mai 2027
Vernissage am 24.10. um 17 Uhr
Mit dem Ausstellungsprojekt „Das muss so!“ versucht das Kunstmuseum Heidenheim einige aktuelle Strömungen innerhalb der gegenwärtigen Malerei sichtbar zu machen.
Titelgebend ist hierbei der oft von Kindern genutzte Satz „Das muss so!“, den sie mit großer Selbstverständlichkeit äußern, wenn sie über ein selbst gemaltes oder gezeichnetes Bild sprechen. Auch wenn die Proportionen nicht stimmen, die Perspektiven verrutscht sind oder körperliche Anomalien auftreten, bescheinigt dieser Satz, dass das fertige Werk so und nicht anders auszusehen hat, dass die Freiheit der Malerei und der Fantasie sich nicht dem Diktat des Naturalismus beugen darf.
Das Kunstmuseum Heidenheim nimmt diesen kindlichen Trotz zum Ausgangspunkt für eine Gruppenschau mit Werken aktueller Kunstschaffender, die sich entweder unmittelbar mit der kindlichen Motivik, der typischen Malweise von Kindern oder mit der damit assoziierten Ästhetik des Unperfekten und Unmittelbaren beschäftigen.
Im Falle des Letzteren wird der Akt des Malens als solcher ins Zentrum gerückt: Pinselstriche bleiben sichtbar, Farben laufen ineinander oder tropfen auf die Leinwand, der Duktus ist expressiv und mag auf Grund des schnellen Farbauftrags an das „Krickel Krackel“ aus Kinderhand erinnern, wobei sich bei genauerem Blick dieser erster Eindruck nicht bestätigt. In dieser Hinsicht lassen sich entfernt Bezüge zu den Fauvisten oder auch der Gruppe CoBrA ziehen, aber auch zum Bad Painting.
Seit der von Marcia Tucker kuratierten Ausstellung im Jahr 1978 umschreibt dieser Begriff die malerische Aneignung des Amateur- und Stümperhaften. Damals hatte die Praxis des absichtlich schlecht Gemalten eine kunst- und institutionskritische Bedeutung. Heute hingegen kann sie selbstverständlicher Bestandteil einer Bildproduktion sein, die Perfektion weder affirmiert noch negiert.
Auch motivisch gibt sich die Kunst nicht bedeutungsschweren Allegorien hin, sondern sucht entweder das Alltägliche oder Figuren, Motive und Themen der Kindheit. Hierbei lassen sich zwei Tendenzen festhalten: Auf der einen Seite stehen Gemälde, welche die Fröhlichkeit der kindlichen Motive (Tiere, Fabelwesen, Sonne, Strichmännchen) betont. Auf der anderen Seite finden sich Kompositionen, die gezielt einen Zwischenbereich von Vertrautem und Fremden suchen. So mag es passieren, dass das Beiläufige ins Unheimliche kippt, das Niedliche spröde wird oder das Banale eine eigentümliche Eigenlogik entwickelt. Im Sinne des uncanny entstehen Bilder, deren Irritation gerade aus der Nähe zum Gewöhnlichen erwächst.
Der Untertitel der „Neueste aktuelle Malerei“ spielt ironisch mit der kunsthistorischen Formel der „Neuen deutschen Malerei“ oder anderen ähnlichen Versuchen, kunsthistorische Kategorien, Schubladen oder Stilrichtungen zu schaffen. Die Heidenheimer Schau reagiert darauf mit einem Augenzwinkern, denn das Adjektiv neu ist nicht steigerbar. So kann man fragen, ob unter den Bedingungen einer globalisierten Kunstproduktion nationale Stilbegriffe nicht per se unsinnig, die ständig proklamierten Superlative der Kunstwelt noch zeitgemäß und eingrenzende Kategorien innerhalb der Malerei nicht ohnehin wenig hilfreich sind.
Die Ausstellung versteht sich daher als eine Momentaufnahme verschiedener malerischer Tendenzen, die mitunter eine Wesensverwandtschaft oder gemeinsame stilistische Interessen hat, und bei denen es explizit um das Verhandeln von Motiv und Stilistik, von vermeintlicher Naivität und malerischer Reflexion sowie von kontrollierter Komposition und produktiver Unordnung geht.
Am Ende geht es der Ausstellung vor allem um die Freude am Sehen und die Feier der Malerei als kreative Praxis. Deshalb ist ein umfangreiches Begleit- und Vermittlungsprogramm angedacht, das sich an unterschiedliche Altersgruppen richtet. Möglicherweise wird durch das eigene Tun klar, dass es mit dem „Das könnte ich auch“ gar nicht einfach ist, wie man meint, und dass ein in Kindheitstagen noch normales „Das muss so!“ wieder helfen kann, das kreative Schaffen wertzuschätzen.
Mit Werken u.a. von:
Katharina Arndt, André Butzer, Leandro Cultraro, Philip Emde, Andi Fischer, Gabrielle Graessle, Tom Gully, Georg Haberler, Björn Heyn, Olga Krykun, Jiři Mayer, Adrian Mudder, Ximena Ferrer Pizarro

